Prototyping – wieviel Experimentierlust steckt noch in Dir?

Was haben das Buch „Was ist Was“, Sonne und die Lust auf Experimente mit Deinen Social Media Aktivitäten gemeinsam? Vielleicht hast Du als Kind auch gerne experimentiert. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich unbedingt Salzkristalle züchten wollte. Mit Neugier und Experimentierfreude ging ich an den Aufbau. Ich weiß noch wie aufgeregt ich war und jeden Tag geschaut habe, ob der Versuch gelang. Hatte ich alles richtig gemacht? Erfolgte die gewünschte Reaktion? Natürlich kann es bei Experimenten auch einmal passieren, dass der Aufbau schiefgeht oder nicht das gewünschte Resultat raus springt. Mein Versuch aus der Kindheitszeit führte nicht nur dazu, dass ich schöne Kristalle gewonnen habe, sondern auch dazu, dass ich etwas gelernt habe. Ähnlich verhält es sich mit dem Prototyping.

Prototyping – MVP

Möglicherweise hast Du den Begriff Prototyping schon einmal in einem anderen Zusammenhang gehört. Er stammt aus der Software-Entwicklung, aber findet auch als Minimum Valuable Product (MVP) im Lean Startup Modell seinen Platz. Um was geht es dabei?

Ähnlich wie bei diesem relativ einfachen Versuchsaufbau gilt es für Dich schnell und einfach in den sozialen Netzwerken zu starten. Deine „Salzkristalle“ sind die Interaktionen Deiner Zielgruppe und messbare Fakten. Schneller kannst Du nicht erfahren, welche Inhalte für Deine Leser relevant sind oder welche ohne Resonanz an ihnen vorbeiziehen. Aber das hat in diesem Fall nicht so negative Auswirkungen, als wenn Du einige Arbeitstage / -wochen in Planung, Umsetzung, Korrektur und Seeding gesteckt hättest. Du sparst also Ressourcen und reduzierst das Risiko.

Analog zu diesem relativ einfachen Experiment gehst Du auch bei Deinen Social Media Aktivitäten vor. Du entwickelst auf dem schnellsten Weg (z. B. durch Content Curation oder einfache Blog-Beiträge) Inhalte. Vergleichbar mit einem MVP, das beim Launch auch noch nicht perfekt ist, verhält es sich mit Deinen Produkten (in diesem Fall Dein Content). In erster Linie dient er dazu, dass Du aus dem Feedback Deiner User lernen kannst. Möglicherweise ist der Gedanke für Dich noch ein wenig fremd, weil wir hier in Deutschland in der Regel dazu getrimmt werden, dass alles perfekt sein muss.

Wie entwickeln viele Unternehmen heute Inhalte?

Insbesondere in deutschen Unternehmen herrscht häufig die Devise „perfekt oder gar nicht“. Lange wird dann geplant, überlegt, diskutiert, wieder verworfen und neu gemacht – und das hat seinen Preis. Denn Perfektion gibt es nicht umsonst. Sie wird erkauft durch hohe Kosten und eine lange Phase bis das Seeding beginnen kann.

Prototyping Fokus Qualität vs. Fokus Geschwindigkeit

 

Sascha Lobo schreibt dazu in einer erhellenden Bestandsaufnahme zur digitalen Transformation in der deutschen Wirtschaft: „Der deutsche Perfektionismus ist Gift“.

„In einer Zeit, in der sich Gesellschaft und Technologie so schnell wandeln sind digitale Experimente notwendig, um die ökonomische Zukunft ausloten zu können. Aber Experimente sind sinnlos, wenn sie wegen Perfektionismus nicht scheitern dürfen. Wenn man nicht von Beginn an ein mögliches Versagen einkalkuliert, lässt sich daraus nichts lernen.“

Ablauf Prototyping im Social Media

Ablauf Prototyping

Als gegeben nehmen wir an, dass Du bereits die sozialen Netzwerke und Formate (für unser Beispiel wählen wir Blog-Beiträge) ausgewählt hast, über die Du in Zukunft kommunizieren möchtest.

Wie läuft dann ein Prototyping ab? Wichtig ist, dass Du schnell Inhalte produzierst. Diesen Content Mix verteilst Du dann über Deine gewählten Social Media Präsenzen (Distribution). Jetzt bekommst Du Interaktionen von Deiner potenziellen Zielgruppe. Dieses Feedback analysierst Du anschließend und optimierst es. So bekommst Du ein immer besseres Gefühl dafür, was für Deine Zielgruppe relevant ist.

Stellt sich nur die Frage:

Weshalb wird Prototyping so selten eingesetzt?

Wenn Prototyping so viele Vorteile bietet und vom Ablauf her so einfach ist, warum nutzen es dann immer noch zu wenige? Die Aussagen, die ich zu diesem Thema erhalten habe, verwundern, sind einerseits verständlich, aber nicht akzeptabel.

Wir haben für einen Prototyp keine Zeit!

Wenn Du schon einmal einen Blog-Beitrag geschrieben hast, dann weißt Du, wie zeitaufwendig dieses sein kann. Da wird geplant, recherchiert, geschrieben und korrigiert. Schnell können für einen Artikel einige Stunden Arbeit investiert werden. Noch extremer ist es natürlich beispielsweise bei einem Webshop oder einer Website. Täglich wird Zeit in Websites, Online-Shops und Marketing-Konzepte investiert, die an der Zielgruppe vorbeigehen. Das wäre nicht nötig, wenn ein kleiner Teil der Zeit in Prototyping investiert wird.

Ein Prototyp verursacht zusätzliche Kosten!

Ja, ein Prototyp kostet Geld. Aber dafür bewahrt er im besten Fall auch vor möglichen finanziellen Fehlentscheidungen, denn er kann als Resonanzmesser genutzt werden. Wer Deinen Beitrag liked, kommentiert oder ihn teilt, zeigt, dass der Beitrag in ihm etwas auslöst. Du kannst also mit einem sehr ressourcensparenden Beitrag schon erkennen, ob Du auf dem richtigen Weg bist.

Ein unperfektes Produkt schreckt potenzielle Kunden ab!

Der Prototyp

Anforderungen an Deinen Prototyp:

► Fokus auf Probleme des Kunden
► bietet Mehrwert
► auf das Wesentliche reduziert
► schlanke Produktion
► nutzt vorhandene Quellen oder fremde Inhalte (Content Curation)
► für Mobile optimiert
► visualisiert Botschaften

Deine Inhalte sind nicht perfekt, sondern so gut, dass sie den Anforderungen Deiner Zielgruppe gerecht werden, Botschaften werden transportiert und Leser aktiviert.

Außerdem kannst Du Dich auf zwei Dinge verlassen:

  1. Wer Deine Angebote wirklich relevant findet, lässt sich von einem Social Media Beitrag nicht abschrecken.
  2. Kunden sind ein nachwachsender Rohstoff.

Ohne diese zwei Dinge hätten wir viele Dinge, die heutzutage nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sind, wohl nicht, denn sowohl beispielsweise Dropbox und das iPhone sind als MVPs gestartet.

Angst vor echten Zahlen

Prototypen liefern belastbare Zahlen. Daher können sie natürlich auch dazu führen, dass Du möglicherweise Deine Strategie noch einmal überdenken musst. Manchmal musst Du dann auch ganz von vorne anfangen.

Stell Dir jetzt jedoch einmal vor, dass Du in Deinem stillen Kämmerlein ewig an der Umsetzung Deiner Blog-Beiträge gearbeitet hättest und dann feststellst, dass Du am Bedarf Deiner Zielgruppe vorbei geschrieben hättest. Folglich bewahrt Dich ein guter Prototyp vor echter Ressourcenverschwendung.

7 Tipps für die Umsetzung von Prototyping

1. Den Fokus auf effiziente Wertschöpfung legen

Es erklärt sich wohl von selbst, dass zu diesem Ansatz keine ewigen Planungsphasen, die unnötige Ressourcen aufbrauchen, passen. Dein Hauptaugenmerk sollte eher auf einem geringen Ressourceneinsatz (Kapital, Zeit) liegen.

Es gilt das Prinzip „Prototyping“. Inhalte werden nicht erst bis zur Perfektion entwickelt, sondern sie müssen nur gut genug sein, um Deinen Lesern einen Mehrwert zu bieten. Social Media Beiträge werden ohne lange Optimierung veröffentlicht und Du sammelst Erfahrungen, die Dir wiederum helfen Deinen Content auf die nächste Stufe zu bringen und Deine Leser besser zu verstehen.

Schnell heißt dabei nicht unüberlegt, sondern eher das Gegenteil. Du musst streng strategisch vorgehen. Hast Du eine dokumentierte Social Media Strategie? Falls nicht, dann biete ich Dir mit dem Social Media Canvas eine Möglichkeit schnell und übersichtlich eine zu erstellen.

2. Schnell loslegen

Sei mutig…. Du brauchst – gerade am Anfang – keine perfekten Inhalte, sondern authentische. Das erhöht die Chance, dass Du Resonanz von Deiner Zielgruppe bekommst. Der Content wird erst anhand der Resonanz optimiert, die er nach dem Launch bekommt.

So ersparst Du Dir lange Erstellungs- und Freigabezyklen, die viele Ressourcen verbrauchen. Außerdem nimmst Du Dir durch eine zu lange Kreationsphase die Chance flexibel auf das Feedback der Community zu reagieren.

3. Klein beginnen

Es ist zwar schön, dass Du bei der Planung von Inhalten in großen Dimensionen denkst. Aber es müssen nicht direkt 5.000 Wörter lange Artikel mit künstlerisch wertvollen Grafiken sein. Auch ein Tweet oder ein geteilter Artikel mit Deiner eigenen Meinung reicht zunächst aus und spart Dir eine Menge Zeit. Ebenso kannst Du dabei wahrnehmen, welche Themen gut ankommen und dann immer mehr dazu veröffentlichen.

4. Zielgruppe einbeziehen

Dein Ziel ist es mithilfe Deiner Community den Content zu verbessern. Analysere die Reaktionen in den sozialen Netzwerken oder die Kontaktaufnahmen. Du kannst aber auch Deine Leser direkt zum Dialog einladen, um ihr Feedback zu erfragen. Denkbar wäre beispielsweise ein oberflächlicher Blog-Beitrag, der durch die Kommentare Deiner Zielgruppe angereichert wird. So schonst Du nicht nur Deine Ressourcen, sondern trägst zu einer stärken Bindung potenzieller Kunden bei, die sich ernst genommen und ebenbürtig fühlen.

5. Flexibel und offen für Feedback sein

Wenn Du schon das Feedback Deiner Zielgruppe erfragst, dann wäre es natürlich fatal, wenn Du es nicht annimmst und umsetzt. Möglicherweise musst Du ein wenig umdenken: kritische Kommentare sind keine bösartige Kritik, sondern dienen der Optimierung Deines Contents. Wenn Du bewusst unvollständige Inhalte veröffentlichst, dann musst Du Kritik und Rückschlägen einplanen. Deine Umsetzung solltest Du so optimieren, dass Du schnell auf Feedback reagieren kannst und dabei möglichst wenig Ressourcen einsetzt. Das ist Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Deinen Lesern.

6. Ergebnisse messen

Um die Resonanz Deiner Zielgruppe beurteilen zu können, ist es wichtig, dass Du die Reaktion darauf misst. Wie oft wurde ein Beitrag geteilt/geliked/kommentiert? Welche Themen erzeugen besonderes Interesse und welche sehr wenig? Nur so gelingt es Dir ein immer tieferes Verständnis für Deine Zielgruppe zu erhalten.

Aber: auch hierbei gilt es Ressourcen zu sparen. Du solltest also nicht wie wild alle möglichen Kennzahlen einsammeln, sondern nur die notwendigsten. Also nur die, die dafür wichtig sind, dass Du Deine Zielgruppe besser verstehst und Deine Strategie überprüfen kannst.

7. Content mehrfach verwenden

Natürlich ist das Internet schnelllebig. Das heißt aber auch, dass Dein Social Media Posting keine lange Sichtbarkeit hat. Besonders, wenn Du Evergreen Content erstellt hast, also Dein Thema nach wie vor relevant ist, kannst Du Deine Blog-Beiträge einige Monate später noch einmal mit einem Post bewerben.

Noch besser ist es, wenn Du aus bestehendem Content etwas „Neues“ entwickelst, zum Beispiel aus einem eBook einen Blog-Beitrag oder auch eine E-Mail-Serie. Oder aus einem Blogartikel ein Podcast oder ein Video.

Beispiele für Prototyping-Formate

Schauen wir uns einige Formate an, die wir zunächst als Prototyp entwickeln können.

Blog-Post

Der Blog ist eine optimale Plattform für Prototyping. Es gibt Blog-Beiträge, die mehr als 5.000 Wörter lang und sehr umfassend sind (denk beispielsweise einmal an holistische Inhalte). Um Deine potenziellen Kunden zu erreichen, reichen aber schon wesentlich weniger Wörter. Wie würde Karl Kratz sagen: „So lang wie geil … möglicherweise ein wenig kürzer“. Das folgende Beispiel zeigt einen Beitrag einer Bloggerin aus Toronto, die ihre Inhalte nach dem Lean Prinzip entwickelt.

20121228 Book - Running Lean - Ash Maurya

Quelle: http://sachachua.com

Whitepaper

Auch ein Whitepaper lässt sich als Prototyp erstellen, wenn Du mit dem arbeitest, was Du schon hast. Bring die Blogposts, die gute Resonanz gebracht haben, in ein Word-Dokument und integriere noch eine Infografik, die Du dann Stückchen für Stückchen in den Text einstreust.

Weiterführende Links:

Clear out your drafts by scheduling Minimium Viable Posts

Lean Content Marketing

Schreibe einen Kommentar