Longtail Keywords – Die Suchintention entlang der Customer Journey

Du hast gerade voller Stolz deine Website erstellt und hoffst auf viele Besucher. Jedoch bist du in einer hartumkämpften Branche tätig und so sieht es schlecht aus, um schnell mit generischen Keywords (z. B. SEO) im Google Ranking weit nach oben zu kommen? Dann ist der Einsatz von Long Tail Keywords eine mögliche Alternative für dich. Und das Beste ist, dass der Einsatz von Long Tails nicht nur bei den Suchmaschinen Vorteile bietet.

Du bist mit deinem Unternehmen nur regional tätig? Dann kannst du mithilfe der Long Tails sehr schnell einen regionalen Bezug herzustellen (z. B. Kinder- und Portraitfotgraf Wildeshausen). Darüber kannst du bei einer sinnvollen Wahl der Schlüsselwörter die gesamte Customer Journey deines Kunden abbilden. Im folgenden Artikel erkläre ich Vorteile, gebe dir Tipps zur Optimierung, erkläre dir den Einsatz der Strategie und zeige dir wie du die Reise deines Kunden abbilden kannst.

 

Was sind Long Tail Keywords?

Um uns dem Thema anzunähern, werde ich den Begriff zunächst einmal erklären: mit Long Tails (engl. für langer Schwanz oder Rattenschwanz) werden Kombinationen von mehreren Keywords oder auch Keywordphrasen bezeichnet. Sie weisen in der Regel ein geringeres Suchvolumen auf als die heiß umkämpften generischen Suchbegriffe wie z.B. „Suchmaschinenoptimierung“ oder „Social Media“.

mwi-long-tail-seo-1940x1828.jpg-595x561 Longtail Keywords - Die Suchintention entlang der Customer Journey
Quelle: Forbes

Wie du anhand der Grafik sehen kannst, handelt es sich um relativ spezifische und konkrete Suchanfragen. Beispielsweise beschreiben Long Tail Keywords ein Produkt oder eine Dienstleistung sehr genau. Manchmal werden sogar komplette ausformulierte Fragen zu konkreten Problemen oder Produkten gestellt.

Das Gegenteil sind die sogenannten Shorthead Keywords, also generische Keywords, die in der Regel eher an eine Datenbankabfrage erinnern. In den meisten Fällen besteht hier auch ein viel höherer Wettbewerb.

Welches Potenzial haben Longtail Keywords mit mehr als vier Wörtern?

  • Niedrigerer Wettbewerb und geringere Kosten.
  • Höhere Wahrscheinlichkeit der Konversion.
  • Große Auswahl an Kombinationen.
  • Schwieriger zu identifizieren. Folglich tauchst du unter den Radarschirm der SEO-Tools.
  • Höhere Sichtbarkeit, da Longtail-Keywords kürzere Trefferlisten erzeugen und SEO-Maßnahmen schneller Ergebnisse erzielen.
  • Qualifizierte Besucher, da die Suchintention klarer ist und dadurch geringere Absprungrate.
  • In der Summe können viele Longtail-Keywords mehr Traffic generieren als wenige Shorttail-Keywords.

Long Tail Anfragen liegen im Trend

Laut einer Studie des SEO-Dienstleisters ahrefs erfreuen sich Long Tails steigender Beliebtheit. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass die meisten Suchanfragen, die Google erreichen, inzwischen aus mindestens drei Wörtern bestehen. Den größten Anteil nehmen Suchanfragen mit fünf oder mehr Wörtern ein: Ein deutliches Signal in Richtung Long Tail.

Zur Auswertung standen insgesamt 1,4 Milliarden Keywords zur Verfügung, das entspricht dem kompletten Datenbestand des Unternehmens. Das erstaunliche Ergebnis: Suchanfragen mit nur einem Keyword gibt es kaum noch (2,8 Prozent). Zwei Drittel aller Suchanfragen bestehen aus mindestens 4 Wörtern, etwa 42 Prozent sogar aus fünf oder mehr Wörtern.

Natürlich gibt es Faktoren, die diese Tendenz begründen. Zunächst einmal lässt sich das Bemühen von Google nennen. Der Suchmaschinenanbieter nimmt den Nutzer immer stärker als Person wahr. Daraus resultiert, dass sich das Frageverhalten der Benutzer stark verändert hat. Während in den Anfangsjahren fast nur datenbankartige Abfrage (z. B. SEO Tipps) ausführten wurden, ermuntert Google seine Nutzer schon lange, ganz normale Phrasen oder gar Sätze einzugeben.

Des Weiteren wird die Sprachsuche auf dem Smartphone immer besser und wichtiger. Auch dort werden die Nutzer zukünftig eher mit halben oder ganzen Sätzen suchen, als mit einem einzelnen Wort.

Durch die Optimierung der Algorithmen belohnt Google die Nutzer bei der Suche längerer Wortkombinationen darüber hinaus mit immer besser passenden Trefferlisten.

Ein Beispiel und drei Tipps

Um uns die Einsparungsmöglichkeiten anzuschauen, greifen wir den Suchbegriff „Handy“ heraus. Das Suchvolumen für dieses Schlüsselwort ist in Deutschland ca. 90.500 Mal pro Monat. Die Kosten bei Google AdWords für diesen Suchbegriff betragen ca. 1,86 Euro pro Klick. Die Kombination „Handy Vergleich“ wird monatlich rund 33.100 mal gesucht, kostet aber nur 1,15 Euro.

Weiter geht es entlang des Long Tail: Nach der Phrase „Samsung Smartphone Vergleich“ wird noch 480 Mal pro Monat gesucht, der Klick kostet 25 Cent. In diesem Fall stoßen wir langsam in den Grenzbereich vor, denn der Preisunterschied zu „bestes Samsung Smartphone“ (90 Suchen, 22 Cent) fällt in Relation zu den wenigen Suchen kaum ins Gewicht.

Wie du siehst, bietet die Strategie Kostenvorteile. Aus diesem Grund liegt es auf der Hand auf günstigere Keywords zu optimieren. Wenn wir uns mit unseren Keywords ungefähr in der gleichen Region bewegen – wie in unserem Beispiel „Handy Vergleich“ – benötigen wir nur zwei weitere Keywords, um mit einem Suchvolumen von 30.000 Eingaben pro Monat das gesamte Volumen abzudecken, wie mit dem Keyword „Handy“.

Allgemein lässt sich sagen: je mehr Keywords du benötigst, um das gewünschte Volumen zu erreichen, je niedriger sind in der Regel die Klickpreise. Um also dein Budget mit effektiv einzusetzen, gilt es den passenden Mix aus Keywords des mittleren und hinteren Bereichs zu finden.

Long Tails und E-Commerce

Aufgrund der spezifischen Suchanfragen gelten Long Tail – Keywords im E-Commerce als sehr lukrativ. Sie versprechen eine höhere Conversionwahrscheinlichkeit. Wenn du also einen Shop betreibst, ist es für dich sinnvoll, dass du deine Produkttexte auf diese Longtails optimierst. Das WDF*IDF-Tool unterstützt dich bei der Analyse zu Zwei-Wort-Kombinationen. Wähle die entsprechende Option einfach aus, nachdem Du zunächst eine Ein-Wort-Analyse gestartet hast.

Am besten legst du dir eine Keyword-Matrix an, um Keywords in unterschiedlichen Variationen und Kombinationen der Liste hinzuzufügen. Diese Methode trägt dazu bei, dass weniger übersehen wird, und vereinfacht das Vorgehen.

Ein einfaches Beispiel:

keywordplanner5 Longtail Keywords - Die Suchintention entlang der Customer Journey

Eine einfache Keyword-Matrix

Jetzt musst du nur noch die Spalten A, B und C miteinander kombinieren und schon hast du eine große Palette an neuen Wortketten, wie „Flip-Flops pink online bestellen“ oder „Stiefel blau kaufen“.

Merge-Tools

Da es ein großer Aufwand sein kann, wenn du alle Kombinationen und Reihenfolgen händisch abtippst, gibt es hierfür Tools. Kostenlose Merge-Tools, auch Keyword-Wrapper genannt, helfen dir dabei die Spalten zu kombinieren. Nicht selten kommen so mehrere Tausend Kombinationen zustande, die mit auf deine Keyword-Liste kommen.

Die Long Tail Optimierung

Zunächst sondierst du den Wettbewerber-Content. Ziel ist es, dass dein Content in Führung geht.

An welchen Stellschrauben kannst du drehen?

  • Dein Text sollte ca. 2.500 Wörter enthalten.
  • Reichere deinen Content multimedial mit Grafiken und Videos an.
  • Statistische Daten sollten deinen Text untermauern
  • Verlinke auf vertrauenswürdige, externe Quellen.
  • Sorge für gute Lesbarkeit.

Wenn du auf Longtail optimieren möchtest, dann solltest du den entsprechenden Text sehr ausführlich gestalten. Achte darauf, dass viele unterschiedliche Kombinationen der Keywords vorkommen. Durch längere Texte entstehen auch mehr Kombinationen. Wenn du also Produkte anbietest, dann solltest du diese sehr detailliert beschreiben. Behalte dabei aber immer im Hinterkopf, dass du für deinen potenziellen Kunden schreibst und nicht für die Suchmaschine. Achte bei den Keywords auf Einzahl / Mehrzahl sowie auf unterschiedliche Begriffe für denselben Gegenstand.

1. So finden sich Longtail-Keywords

Ein nützliches Tool, das du mit Sicherheit kennst, ist Google Suggest (auch Auto-Vervollständigen genannt). Gibst du beispielsweise das Wort „Handy“ und dann ein Leerzeichen ein, dann zeigt dir Google die am häufigsten gewählten Fortsetzungen an.

Beispielsweise:

sneaker-595x140 Longtail Keywords - Die Suchintention entlang der Customer Journey

Entsprechende Tools setzen auf diese Funktion und weitere Algorithmen auf. Sie bieten dir auf einen Klick lange Listen, die du zumindest als Inspiration nutzen kannst. Der bekannteste Vertreter ist keywordtool.io.

2. Die Begriffe müssen zu den Inhalten passen

Natürlich müssen die Suchergebnisse auch zum Inhalt der Seite passen. Es bringt dir eher Nach- als Vorteile, wenn du auf die Kombination „blaue Stiefel online bestellen“ optimierst und der Nutzer auf deiner Seite stattdessen „bunte Skateboards mit Rollen“ findet. Selbstredend solltest du zu jedem Begriff, den du optimierst, mindestens einen passenden Artikel biete. Bei der Schaltung von Google AdWords sollte die Anzeige auch genau auf diese Unterseite verlinken.

Da die Anspruchrate der potenziellen Käufer sehr hoch wäre, stellte Google eine mangelnde Relevanz fest und bestraft dies mit einem schlechteren Qualitätsfaktor. Darüber hinaus würdest du auch deiner Marke schaden und wie heißt es von Seiten Googles: „Die Marke ist nicht das Problem, sondern die Lösung“.

Mit der Suche nach guten Longtail-Keywords leistest du jedoch auch allgemein wichtige Arbeit für dein Projekt. Die Longtails können dir als Stoffsammlung für wertvolle Inhalte sowie den Einstieg ins Content-Marketing dienen.

3. Beachte auch die Keyword-Effizienz

Betrachte nicht nur die Suchvolumina bei der Auswahl der Begriffe. Es gibt Begriffe, die zwar ein geringeres Suchvolumen haben, aber trotzdem sehr häufig im Netz vorkommen. Dann wird es schwierig für dich, dass du dich aus der Masse der Treffer heraus in die oberen Regionen vorarbeitest.

Um den Keyword-Efficiency-Index zu errechnen, setzt du einfach Suchanfragen zu Suchtreffern ins Verhältnis.

Je höher der Keyword-Efficiency-Index, desto weniger Konkurrenz auf der Trefferliste. Ziehen wir wieder unser Beispiel mit dem „Handy“, bzw. „Handy Vergleich“ heran. Die Chance mit „Handy Vergleich“ gefunden zu werden ist wesentlich höhere. Um dir das Suchvolumen je Keyword anzuzeigen zu lassen, kannst du auf Karma Keyword Tool zurückgreifen. Die Anzahl der Suchtreffer zeigt Google bekanntlich gleich oben über der Trefferliste.

Natürlich gibt es teilweise deutlich ausgefalleneren Modellen mit denen erfahrene Freelancer und Agenturen arbeiten. Für Einsteiger lohnt sich aber auch ein Blick auf den Keyword-Efficiency-Index.

Zusammenfassung:

  • Über welche Keywords bzw. Keyword-Kombinationen und Fragestellungen kommen deine Nutzer auf die Site.
  • Nutze möglichst unterschiedliche Begriffskombinationen (zwischen 2-5 Wörtern). Achte auch darauf die Singular / Plural Schreibweise zu berücksichtigen und zu kombinieren.
  • Gibt es verschiedene Begriffe, die die Nutzer verwenden, für ein identisches Objekt? Während z.B. Nutzer A „Laptop“ sagt, verwendet Nutzer B möglicherweise den Begriff „Notebook“. Auch hier solltest du die Keywords möglichst sinnvoll kombinieren und variieren.
  • Verpacke die Begriffskombinationen möglichst effektiv in guten Content (kein Spam!). Betreibst du beispielsweise einen Onlineshop, so beschreibe deine Produkte und Dienstleistungen möglichst ausführlich. Evtl. ist es sinnvoll auch den Titel entsprechend zu formulieren.
  • Schreibe längere und ausländische Wörter sowie Fachbegriffe im Zweifel auch mal getrennt (z.B. Suchmaschinen-Optimierung statt Suchmaschinenoptimierung oder Long Tail statt Longtail). Möglicherweise sind sich deine Besucher nicht ganz sicher bezüglich der Schreibweise.
  • Wenn es zu dem Thema und der Zielgruppe passt, dann kannst du auch zusätzlich ausländische Begriffsalternativen (z.B. englisch) einbeziehen, wie z.B. Search Engine.
  • Du siehst in deiner Statistik, dass viele Nutzer scheinbar Probleme mit einem Begriff haben. Dann kann auch mal ein absichtlicher Schreibfehler hilfreich sein. Aber Vorsicht: Schreibfehler können ggf. deinem Image schaden. Maximal ein Schreibfehler pro Seite und nur bei wirklich schwierigen Worten!
  • Apropos Schreibfehler: Versuche sie möglichst zu vermeiden! Fehlerhafte Begriffe wie z.B. Long Trail statt Long Tail können dich unter Umständen Besucher und damit Umsätze kosten.
  • Achte stets darauf, daß du bei deiner Optimierung nicht nur für die Suchmaschinen, sondern auch und gerade für deine Besucher arbeitest. Nur so wird auch aus einem einmaligen Besucher ein dauerhafter Leser/Kunde/Käufer/…
  • Nutze Tools bei der Optimierung

Longtail Keywords und Customer Journey

Häufig kannst du die Suchabsicht sehr gut herausfinden.

Nehmen wir das Beispiel Digitalkamera und versuchen die verschiedenen Schritte des A-I-D-A-Modells den Suchanfragen zuzuordnen, dann ließen sich die einzelnen Phasen vereinfacht und beispielhaft in folgende Queries einteilen:

  • Attention: „Womit kann ich gute Landschaftsaufnahmen machen?“
  • Interest: „Welche Digitalkameras haben Feature XY?“
  • Desire: „Was ist der günstigste Preis für Digitalkamera XY?“
  • Action: „Ich will Digitalkamera XY bei Anbieter Z kaufen!“

Über solche Anfragen lässt sich zudem feststellen, an welchem Punkt der Customer Journey sich der Nutzer befindet und welche Intention er verfolgt. Allgemein gilt: je mehr Suchbegriffe der Nutzer eingibt, je gezielter ist seine Suche. Bei einem einzelnen Begriff sieht er sich nur um, doch bei vielen Begriffen ist eine gewisse Kaufabsicht bereits vorhanden, denn es wird gezielter gesucht.

Umsetzung auf deiner Site

Um die relevanten User-Queries für dein Angebot herauszufinden, musst du dir folgende Frage beantworten: Welche Fragen stellt dein potenzieller Kunde in welcher Phase? Jetzt kannst du den jeweils betreffenden Content bzw. die relevanten Landingpages auf eben diese Fragen optimieren.

Um deine Nutzer an der Stelle abzuholen, an der sie sich befinden, sollte man mit einer einheitlichen Tonalität agieren. Im Idealfall werden direkt die Fragen beantwortet, die der Leser sich stellt. Besonders beliebt sind W-Fragen (Wer, Was, Wann, Wo, Warum, Wie). Aber auch Anfragen wie „Buch mir ein Ticket für den Flug von Berlin nach Madrid“ sollten berücksichtigt werden.

Ordne deine Keyword-Liste der Customer Journey zu. Welches Keyword deiner Liste gehört zu welcher Phase:

  • Awareness
  • Interest
  • Desire
  • Action?

Idealerweise ist dein Keyword-Pool so groß, dass er die komplette Customer-Journey abdeckt.

Berücksichtige dabei immer, dass ein Nutzer, der viele Begriffe eingibt, meistens viel genauer weiß, was er sucht. Aus diesem Grund brauchst du ihn dann nicht mehr mit allgemeinen Informationen versorgen. Du kannst gezielter auf seine Fragen eingehen. Findet dein potenzieller Kunde die gewünschten Informationen auf deiner Seite, so ist er viel schneller dazu bereit, auch tatsächlich zu kaufen. Somit hat Longtailoptimierung in der Regel auch einen positiven Einfluss auf die Conversion Rate.

Fazit – Long Tail Tarnkappenstrategie

Patels Strategievorschlag ist auf den ersten Blick sehr einfach umzusetzen. Die Keyword-Recherche ist dabei jedoch die Hauptschwierigkeit. Die meisten Keyword-Tools stossen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Longtail-Keywords holistisch abzubilden. Wenn du zu deinem Keyword-Oberthema umfassende Kenntnisse aufweisen kannst, dann bist du hier klar im Vorteil.

Gelingt es dir, zu deinem Produkt-Thema eine Liste an Keywords zu erstellen, die die wichtigsten Stationen der Kundenreise abdeckt, dann kannst du die Früchte deiner Arbeit ernten. Mit hohen Konversionen, ohne dass dich dabei die Spione mit den SEO-Tools identifizieren.

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