Lean – Schlank ist in … Nicht nur für Startups

Lean Canvas ist eine 1-seitige Businessplan-Vorlage, die von Ash Maurya erstellt wurde. Sie hilft Dir dabei, Deine Idee in Hypothesen zu zerlegen. Es basiert auf Alex Osterwalders Business Model Canvas und ersetzt aufwendige Geschäftspläne durch ein einseitiges Geschäftsmodell. Das Lean Canvas „ersetzt“ heutzutage oftmals den klassischen Businessplan, der gerne einmal im Schreibtisch verstaubte. Doch der Reihe… Du erfährst auch, warum ich den Artikel geschrieben habe ;).

Was ist Lean Startup?

Um uns dem Thema zu nähern, übersetze ich den englischen Begriff „Lean“ zunächst einmal ins Deutsche. Lean heißt im Deutschen soviel wie „schlank“, „schmal“. Diese Übersetzung des „schlanken Startups“ verrät schon auf den ersten Blick, um was es grundsätzlich geht.

Lean-Startup umfasst eine Theorie einen Ansatz, um mit möglichst wenig Kapitaleinsatz ein Unternehmen zu gründen oder ein Produkt zu launchen. Der Fokus liegt nicht auf einer langen Vorab-Planung, sondern darauf, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung möglichst frühzeitig „an den Markt“ gebracht wird. Folglich ist Lean-Startup eine Geisteshaltung, denn die Angebote sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht perfekt. Ein wichtiges Element ist das Kundenfeedback. Das Feedback zu dem jungen Produkt ermöglicht das messbare Lernen bezüglich der Kundenwünsche und der Bedürfnisse des Marktes. Die gewonnenen Erkenntnisse führen dann wiederum zu einem weiteren Produktentwicklungs-Zyklus.

Warum ich dieses Thema aufgreife?

Ein Modell aus dem Startup-Ansatz auf der Website eines Social Media Beraters? Wie passt das zusammen? Ich liebe dieses Denken, denn meiner Meinung nach bietet es für DICH viele Vorteile. Der ressourcensparende Ansatz ist sowohl für Startups als auch mittelständische Unternehmen wichtig. Oft steht für Social Media Kommunikation kein großes Budget zur Verfügung. Daher greife ich immer wieder auf dieses Wissen und Denken zurück.

Im Social Media betrachte ich die Beiträge, egal ob beispielsweise Videos, Grafiken oder Texte, als Produkte. Ich bin der Überzeugung, dass es strategisch sinnvoll ist, so schnell wie möglich einen Prototyp auf den Markt zu bringen. Aus dem Feedback gilt es dann zu lernen. So wird der Produktzyklus reduziert und Du passt Dich immer besser den Kundenwünschen an, ohne das Dir dabei große Kosten entstehen.

Ein weiterer Punkt, an dem es Überschneidungen gibt, ist der Bereich Strategie. Aus dem Business, bzw. Lean Model Canvas ist mein Social Media Canvas entstanden – aus den gleichen Gedanken wie beim Business-Plan.

Doch zurück zum Thema 🙂

Was ist ein Lean Canvas?

Der Schlüssel zur Lean-Methodik ist die Vermeidung von Verschwendung – dazu gehören Zeit, Prozesse, Inventar und mehr.

Als Lean-Startup brauchen Sie einen schnelleren Weg, um Ideen aus Ihrem Kopf zu bekommen, Sie müssen schlank bleiben und Verschwendung vermeiden – also ist es an der Zeit, Lean Canvas einzuführen.

Lean Canvas verwendet das gleiche 9-Blöcke-Konzept, außer dass sie leicht modifiziert wurden, um den Bedürfnissen / Zwecken / Anforderungen eines Lean Startup gerecht zu werden. Lean Canvas ist das perfekte einseitige Format zum Brainstorming möglicher Geschäftsmodelle. Die Blöcke führen Sie durch logische Schritte, beginnend mit Ihren Kundenproblemen bis hin zu Ihrem unfairen Vorteil (oft der schwierigste zu beantwortende Block).

Hier ist ein kurzer Erklärer für jeden Lean-Canvas Punkt (und in der Reihenfolge, in der Du sie am laut Ash Maurya am besten abarbeitest):

1. Problem

Zunächst einmal gilt es die Kundenanforderungen (Probleme, Wünsche, Träume, etc.) zu analysieren. Dafür betrachtet Du jedes Kundensegment (CS). Versuche in diesem Feld maximal drei Probleme mit hoher Priorität aufzulisten. Ohne ein Problem zu lösen, hast Du kein Produkt / keinen Service zu bieten.

2. Kundensegmente

Das Problem und die Kundensegmente können als untrennbar miteinander verbunden betrachtet werden – ohne CS denken Sie nicht an ihre Probleme und umgekehrt. An wen wendest Du Dich mit Deiner Social Media Kommunikation. Den folgenden sowie den ersten Aspekt habe ich bei der Entwicklung meiner Persona aufgegriffen, weil die Kundenorientierung auch im Social Media Marketing ein zentraler Punkt ist.

3. Eindeutiger Wertvorschlag

In der Mitte des Canvas steht der UVP. Im modernen Marketing wird dieser Aspekt oft anstelle des USP verwendet. Welchen Wert liefert Deine Lösung? Eine Möglichkeit den UVP zu verstehen ist, dass Du Dir überlegst, warum Du anders bist als Deine Wettbewerber. Warum kaufen Deine Kunden bei Dir? Oder auf Social Media übertragen: Warum folgen Dir Menschen? Warum lesen sie Deine Artikel? Welchen Mehrwert lieferst Du ihnen?

4. Lösung

Eine Lösung für das Problem ist das goldene Ei! Die perfekte Lösung findest Du in der Regel nicht gleich im ersten Anlauf – aber darum geht es im Lean. Was Sie tun müssen, ist „Get Out The Building“ – eine Phrase, die von Steve Blanks, dem Paten von Lean Startup, geprägt wurde. Damit ist gemeint, dass Du die Lösung nicht durch Deine Überlegungen, sondern durch das Testen findest. Also komme mit Deinen Kunden ins Gespräch. Stelle Fragen und sammele Erkenntnisse. Denke daran, dass Lean Startup ein konituierlicher Zyklus aus Bauen – „Messen“ – Lernen ist. Dieses gilt auch im Social Media Marketing. Was nützt es Dir, wenn Du ewig an einem Artikel schreibst, um dann am Ende festzustellen, dass Du total am Bedarf vorbeigeschrieben hast?

5. Kanäle

Kanäle sind Möglichkeiten für Dich, um Deine potenziellen und bestehenden Kunden zu erreichen. Und denke daran, dass es in der Anfangsphase nur ums Lernen geht. In diesem Sinne versuche zu überlegen, welche Kanäle Dir genügend Zugriff auf Dein Kundensegment geben. Wie kannst Du gleichzeitig genug lernen? Kanäle können beispielsweise E-Mail-, Social-, CPC-Anzeigen, Blogs, Artikel, Webinare usw. sein. Natürlich sind nur die wichtig, wo Du Deine Interessenten findest. Analog gilt dieses auch für Deine Social Media Kommunikation.

6. Einnahmenströme

Natürlich ist es wichtig, dass Du Deine Angebote an den Mann / die Frau bringst. Leute dazu zu bringen, sich kostenlos für etwas zu registrieren, ist viel anders als sie zu bitten, zu zahlen. Es gibt auch die Vorstellung von wahrgenommenem Wert. Das lässt sich ebenfalls auf das Social Media Marketing übertragen: wie gelingt es Dir, dass Dir Leser folgen oder Dich in Deinen Newsletter eintragen? Das ist ein Zeichen dafür, wie wertvoll Deine Informationen sind.

7. Kostenstruktur

Hier solltest Du alle Betriebskosten für die Markteinführung dieses Geschäfts aufführen. Wie hoch sind die Kosten? Was kostet es Dein Kundensegment zu interviewen? Wie teuer ist die Marktforschung? etc. Du kannst dann diese Kosten und potenziellen Ertragsströme verwenden, um eine grobe Gewinnschwelle zu berechnen. Übertragen auf Social Media bedeutet dieses: wie teuer ist das Erstellen der Präsenzen und anschließenden Inhalte? Welches Budget wendest Du für die Betreuung der Kanäle auf?

8. Schlüsselmetriken

Jedes Unternehmen, unabhängig von Branche oder Größe, verfügt über wichtige Kennzahlen zur Leistungsüberwachung. Jedoch müssen diese zwangsläufig in Zahlen bewertbar sein. Ein gutes Modell, um dabei zu helfen, ist Dave McClures ARRRR (aka Pirate Metrics) – weiter lesen: Startup Metrics for Pirates.

9. Unfairer Vorteil

Diesen zu ermitteln ist nicht einfach. Trotzdem lohnt sich das Nachdenken über diesen Punkt, denn er kann bei der Suche nach Partnern und Investoren helfen. Hier ist eine großartige Definition von unfairem Vorteil: „Der einzige wirkliche Wettbewerbsvorteil ist der, der nicht kopiert werden kann und nicht gekauft werden kann.“ – Jason Cohen. Unfaire Vorteile können Insider-Informationen sein, ein Dream-Team, die Unterstützung von Experten, bestehende Kunden usw. Anstatt also über etwas wie „Engagement und Leidenschaft“ als unfairen Vorteil nachzudenken, denke darüber nach, was Du hast, was kein anderer kann kaufen.

Arbeiten mit dem Lean Canvas

Das Ziel ist es in ca. 15 – 20 Minuten alle Ideen auf Papier zu bringen. Bei xtensio findest Du beispielsweise auch ein kostenloses Tool zum Erstellen Deines Lean Canvas. Mein Social Media Canvas kannst Du hier kostenlos downloaden.

Jetzt, wo Du Dein erstes Canvas verstellt hast, geht es ans Testen. Klingt nach harter Arbeit? Nun ja, ist es. Aber durch diesen Prozess sparst Du Zeit, Energie und Geld. Denke darüber nach: Das schlechteste mögliche Ergebnis für jeden Unternehmer ist, etwas zu bauen, das niemand will! Das gilt auch für Dein Social Media Marketing.


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